Nachruf auf Jochen Kuhn

Jochen Kuhn – der „Vater der Stadtplaner” in der Architektenkammer NRW – hat diese Bezeichnung verdient – ist tot. Als Vorstandsmitglied vertrat er die Belange der Stadtplaner von 1983 bis 1991 noch vor Einführung der 4. Liste „Stadtplaner / Stadtplanerinnen”.

In dieser Zeit war er der Vorkämpfer für eine eigene Fachrichtung „Stadtplaner” bis es endlich 1993 zur Änderung des Baukammergesetzes kam. Als Vorstandsmitglied war er gleichzeitig Vorsitzender des damaligen Ausschusses für die Belange der Stadtplaner – bis ich beide Positionen und ihre Aufgaben von ihm übernehmen durfte und das gemeinsame Projekt endlich erfolgreich war.

Ich habe seine sonore, bedächtige Stimme noch im Ohr, wenn wir wieder an die Front gingen, um die Bedenken der Architekten, denen vermeintlich das Privileg des Städtebaus verloren zu gehen schien, zu zerstreuen. Er war bis 2004 Mitglied der Aufnahmekommission für die Stadtplaner.

Seine ausgeglichenen Argumentationsbeiträge habe ich auch in vielen gemeinsamen Jurysitzungen, als Vorsitzender der Landesgruppe NRW der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (1997 – 2003) und als Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten (1983 – 1987) erlebt.

Aus seinem umfangreichen städtebaulichen Erbe als freiberuflich tätiger Architekt und Stadtplaner seien stellvertretend die Wohnsiedlungen „Berg Fidel” in Münster und „Neue Stadt Hochdahl” in Erkrath sowie das Hansaviertel in Krefeld genannt.

Die wichtigsten Stationen seines Lebens und Schaffens sollen der Vollständigkeit halber hier noch aufgeführt werden: Geboren 1929 in Düsseldorf, 1955 Diplom bei Prof. Eiermann in Karlsruhe, ab 1959 freiberuflich tätig, ab 1972 Team mit Jochen Boskamp.

Sein intensives Engagement im Vorstand der Architektenkammer NRW zeigte er auch als Leiter der Verhandlungen zur Neufassung der HOAI in den achtziger Jahren und er begleitete die sogenannten Planverbände bei der Novellierung von Planungsgesetzen. Er war Berater in der Kommission für 50 Solarsiedlungen in NRW.

Die Liste seines Schaffens, sein vielseitiges Engagement ist weitaus länger, als hier aufgezeigt werden kann.

In den letzten Jahren ist es aufgrund langer Krankheit still um ihn geworden. Noch einmal hat er sich mit einer Initiative zum Erhalt des „Tausendfüßlers” („Lott stoan”) am Düsseldorfer Kö-Bogen eingemischst – erfolglos zu seiner großen Enttäuschung.

Er ist 88-jährig am 06.06.2017 gestorben und hinterlässt fachlich, berufspolitisch und privat eine große Lücke.

 

Leonore Wolters-Krebs
Dipl.-Ing.
Architektin und Stadtplanerin
BDA DASL

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