Aufgaben der Integration. Auch sorgfältig geplante Container sind nur Übergangslösungen

Die Kollegengruppe WIR StadtplanerIn NRW setzt sich für eine differenzierte und langfristige Integration von Flüchtlingen und Migranten ein. Dies verlangt Weitsicht aber auch Improvisationsspielräume in der Stadtentwicklung. In 2015 haben die Flüchtlingszuweisungen die Kommunen in den Wachstumsräumen NRW´s an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gebracht. Mangels verfügbaren Wohnraums erfolgt die Unterbringung in Regelunterkünften nur noch im Einzelfall. Daher gehen die Kommunen dazu über, Nichtwohngebäude umzunutzen oder mobile Unterkünfte wie Containerdörfer für die Massenunterbringung zu errichten. Da zentrale Flächen kaum noch verfügbar sind, erfolgt deren Planung häufig im an den Ortsrand angrenzenden Außenbereich, wo der Gesetzgeber für mobile Unterkünfte auf drei Jahre befristete planungsrechtliche Erleichterungen eröffnet hat. Trotz extrem gestiegener Kosten kann auf diese Unterbringungsart aktuell nicht verzichtet werden.

Gesellschaft – und damit der erste Ansatz von Integration – findet häufig im unmittelbaren Umfeld der Unterkünfte statt. Die modulare, i.d.R. maximal zweigeschossige Containerbauweise ermöglicht nur wenig Raumbildung. Durch die Anordnung der Containermodule können jedoch geschützte Außenräume geformt werden, die, einer städtebaulichen Mikrostruktur ähnelnd, mit geringem Aufwand zu Freianlagen entwickelt werden können, die für den nachbarschaftlichen Austausch oder Kinderspiel geeignet sind. Bei gezielter Zonierung von Aufenthalts-, Wege- und Grünflächen kann mit sorgfältig verarbeiteten preiswerten Materialien und dem ein oder anderen Baum ein Mindestmaß an Aufenthaltsqualität erzeugt werden.

Problematisch bleibt hingegen die Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum. Viele der Flüchtlinge werden in Deutschland bleiben. Der bereits bestehende Mangel an kostengünstigem und gefördertem Wohnungsbau sowie an hierfür geeigneten Siedlungsflächenreserven wird durch diesen erwartbaren Trend verstärkt.

Angesichts dessen fordert der Vorstand der BAK Bund und Länder auf, die Voraussetzungen für den Wiedereinstieg in einen kostengünstigen und sozial integrierten Wohnungsbau zu schaffen. In ihrem Positionspapier vom 03.12.2015 formuliert die BAK Hinweise zu Standards für bezahlbaren Wohnraum und zur Wohnraumförderung.

WIR StadtplanerIn NRW setzt sich für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums anstelle teurer Provisorien mit geringer Halbwertzeit ein, unter Wahrung hoher städtebaulicher Standards. Impulse für eine gelingende Integration durch Stadtplanung wurden auf dem Stadtplanertag am 05.11.2015 und der Fachtagung „Wohnen statt Unterbringung“ am 21.01.2016 gesetzt.

Wolfgang HoneckerDieser Text von Wolfgang Honecker ist ein Beitrag zum Deutschen Architektenblatt, Ausgabe NRW 04/2016

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